Hervorragende Hepatitis-Forschung: DZIF-Professor erhält Ehrendoktorwürde

Honorary doctorate ceremony in Basel (from left): Prof. Dr Primo Leo Schär, Dean of the Faculty of Medicine at the University of Basel, Prof. Dr Stephan Urban, DZIF Professor of Translational Virology at the Heidelberg University Hospital and Prof. Dr Dr h.c. mult. Andrea Schenker-Wicki, Rector of the University of Basel. 

© University of Basel/Christian Flierl

Die Medizinische Fakultät der Universität Basel ehrt DZIF-Professor Dr. Stephan Urban der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg mit der Ehrendoktorwürde. Sie zeichnet damit die bedeutende Entwicklung des ersten Medikaments gegen chronische Hepatitis-D von der Grundlagenforschung bis zur medizinischen Anwendung aus.

Stephan Urban, DZIF-Professor für Translationale Virologie am Universitätsklinikum Heidelberg (UKHD), wurde am 24. November 2023 mit der Ehrendoktorwürde“, der Medizinischen Fakultät der Universität Basel ausgezeichnet. Die Forschungsleistung von Professor Urban bezeichnete Professor Dr. Primo L. Schär, Dekan der Medizinischen Fakultät Basel, als eine der „bedeutendsten Entwicklungen in der Hepatitis-Forschung der vergangenen Dekaden“.

Von der Grundlagenforschung zum wirksamen Medikament

Stephan Urban kann auf 25 Jahre intensive Forschungsarbeit zurückblicken: Inzwischen hilft ein von ihm entwickeltes Medikament Patienten mit Hepatitis D. Als Grundlagenforscher hatte Urban ursprünglich beabsichtigt, die molekularen Mechanismen von Hepatitis-B-Virus (HBV)- und Hepatitis-D-Virus (HDV)-Infektionen zu verstehen. Im Zuge seiner Forschung fand er heraus, dass ein Protein-Fragment aus der Virushülle an einen zu diesem Zeitpunkt unbekannten Rezeptor auf der Leberzelle bindet. Es gelang Stephan Urban und seinem Team, Teile des Hüllproteins synthetisch im Labor herzustellen und zur Blockade des viralen Rezeptors einzusetzen. Dadurch wurde der Eintritt der Hepatitis-Viren HBV und HDV in die Zelle verhindert.  

Studien im Tiermodell bestätigten diesen Ansatz als einen möglichen Weg zur Entwicklung eines Therapeutikums. Ende Juli 2020 wurde der Wirkstoff Bulevirtide unter dem Namen Hepcludex in Europa als erstes Medikament zur Behandlung der chronischen HDV-Infektion zunächst konditional und seit 2023 endgültig zugelassen. Der Wirkstoff hemmt effektiv die Vermehrung von Hepatitis-D-Viren und führt zu einer deutlichen Verbesserung der Leberfunktion. Studienergebnisse laufender Studien werden zeigen, ob eine Dauerbehandlung nötig ist oder ob das Medikament – möglicherweise in Kombination mit anderen Wirkstoffen – heilendes Potential hat. Die klinische Entwicklung von Bulevirtide/Hepcludex ist ein Beispiel einer gelungenen Kooperation akademischer Forschung mit dem Biotech-Startup-Unternehmen Myr GmbH, die letztendlich zur Übernahme und weltweiten Vermarkung durch den Pharmakonzern Gilead führte.

Quelle: Pressemitteilung des Universitätsklinikums Heidelberg

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